ie im letzten Heft angekündigt machen wir mit der Vorstellung unseres neuen Landes weiter. Den Anfang machten wir mit den Grundlagen, nun folgen ein paar gängige Sprichwörter, außerdem das Basiswissen über unsere Religion und deren Götter, Feiertage und einige andere nützliche Dinge und natürlich die Anderswelt.
Ergänzend gibt es auch eine Sammlung keltischer Sprichwörter und die wichtigsten Ausspracheregeln.
Hier wollen wir auf die Funktionen des Klerus, oder besser gesagt der Druiden, etwas genauer eingehen. "Dru-uid" heißt in der Übersetzung nichts anderes als "Hochweise", was eine Gesamtbezeichnung für alle religiösen Positionen darstellt. Andererseits bezeichnet es auch einen speziellen Rang innerhalb der Hierarchie des Klerus (siehe "Sozialstatus").
Druiden sind Priester, Magier, Seher, Heiler und Rechtsgelehrte. D. h. ein Charakter kann als Druide sowohl Magier einer beliebigen Schule als auch Priester sein, auch Schamanen wären denkbar, da sie den Übergang in die Anderswelt ermöglichen können und als "Naturpriester" einen natürlichen Platz in der keltischen Ordnung haben.
Auf die priesterliche Hierarchie und ihren Platz in der Gesellschaft möchte ich erst später eingehen. Auch wenn die Druiden verschiedensten Tätigkeiten nachgehen, eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie kümmern sich um das seelische Wohl und den Glauben der Gemeinschaft.
Sie sind die Berater der Könige und können daher niemals selber zu der Adelsschicht an sich zählen, ihr Rang ist jedoch oft den Königen gleichgestellt (siehe "Sozialstatus"). Ihre Macht ist sehr real und ihre Positionen unangefochten und anerkannt. Ihre Ausbildung dauert Jahrzehnte und ist meist erst mit ihrem Tod wirklich beendet (oder auch nicht?). Fili, oder Vates, sind die Seher, sie beschäftigen sich mit Astrologie und der Interpretation von Omen und Opfern. Ein sehr beliebtes Ritual war es, einen getöteten Stier so weit wie möglich allein zu essen und sich dann in die Haut über Nacht einzunähen, um Visionen zu erhalten. - Don't try this at home!
Auch die Filid, die Barden und Rechtsgelehrten, gehörten im weiteren zur religiösen Kaste, auch auf sie wird später noch näher eingegangen. Die Barden haben durch ihren Einfluß auf den Enech, die Ehre, durch Satiren und Preislieder eine spezielle Position.
Es existieren hunderte, wenn nicht tausende verschiedene Namen der Götter, so wird z. B. angenommen, daß es sich bei Rondra um einen Aspekt von MORRIGAN handelt). Dennoch gibt es nur einige Dutzend, wobei ich die wichtigsten hier aufzählen möchte. Hierbei muß zuerst gesagt werden, daß die Welt in drei Teile geteilt und auch klar getrennt wird, für deren Kontrolle je ein Götterpaar zuständig ist:
MACHA, MORRIGAN und MAB sind Schwestern und doch eins, und sie sind die keltische Muttergöttin.
Der Königsgott wird DAGDA genannt, der jugendliche Heldengott LUGH. Für die Schmiedekunst ist GOWANNON zuständig, für Heilung und Poesie BRIGIT, der Gott der Sprache und des Wissens ist OGMA. Weiters gibt es natürlich noch etliche Orten zugeordnete Götter und unzählige Pflanzen- und Tiergötter, wobei hier die Grenze zwischen Gott und Andersweltwesen (Faerie) nicht so genau gezogen wird.
Ach ja - der Sitz der Seele ist der Kopf.
In Dalriada sind weder Himmel noch Hölle bekannt, es existiert eine sogenannte Anderswelt, die gleichzeitig neben, über und auf der materiellen Ebene liegt. Man kann sie sich als eine Art Geisterebene vorstellen, eine Umbra, ein Schatten unserer Welt. Oder ist die materielle Welt nur ein Schatten der Anderswelt? Wundersame Wesen wie Dryaden, Brownies oder Pixies leben dort, die Toten gehen dorthin um weiterzuleben. Die Götter leben und thronen in der Anderswelt. Eben diese Götter erhielten ihre Unsterblichkeit erst in der Anderswelt, denn auch sie waren einmal sterblich. Es ist auf der anderen Seite eine Welt wie die unsere, mit Wiesen und Wäldern, mit Dörfern und Burgen. Es ist die Welt, wo die Tuatha de Danaan leben, deren sterbliche Nachfahren die Sidhe, die Elfen, sind. Es ist eine Welt, wo man besser keine Tiere mit weißem Fell und roten Ohren töten sollte, weil es sich dabei um die Quintessenz der jeweiligen Spezies handelt, die ersetzt werden muß. Eine Welt, die mit der unseren interagiert, wo Geschehnisse beider Welten aufeinander Einfluß nehmen - und die doch durch einen Schleier von der unseren getrennt ist.
Hier grenzen die drei Weltenebenen nicht aneinander, hier berühren sie einander, sind nicht klar getrennt. Eine Grenze trennt und verbindet auch gleichzeitig. Ein altes Sprichwort sagt: "Gute Zäune machen gute Nachbarn." So ist auch die Anderswelt von unserer materiellen Ebene getrennt, und doch verbindet jede Grenze in unserer Welt uns auch mit eben dieser: Überschreiten wir die Grenze in einen Wald, in ein Haus oder ein Land, so können wir uns plötzlich in der Anderswelt wiederfinden. Und so wie der Übergang von einer Wiese in den Wald, so ist auch der Übergang in die Anderswelt ein gradueller. Alle Wege können dorthin führen, man muß nur wissen wie, oder eine höhere Macht ebnet den Weg. Überhaupt ist der Begriff der Grenze in Dalriada ein sehr wichtiger, weshalb auch Überschreitungen derselben sehr streng geahndet oder aber als Heldentat gefeiert werden. Manche "Tore" in die Anderswelt sind immer offen, manche nur zu bestimmten Zeiten (z. B. Samhain), andere wiederum rein zufällig. Es ist eine besondere Tat, in die Anderswelt zu gehen, die viel Weisheit oder Mut erfordert.
Wir möchten noch einmal darauf hinweisen, daß es keinen Himmel oder Hölle, d. h. keine direkte Unterwelt im herkömmlichen Sinn gibt. Die Toten wechseln in die Anderswelt, ob sie dort unsterblich sind oder ob es weitere Anderswelten gibt, ist ein heißer Diskussionspunkt unter Druiden.
Als geeignete heilige Plätze werden Orte gesucht, die mit einer der drei Ebenen in Verbindung stehen, wie z. B. Stonehenge mit Erde und Luft, Flüsse oder Quellen mit dem Wasser oder Haine mit der Erde.
Wie schon vorher angedeutet, ist ein berühmter Ritus zur Zukunftssicht der Schlaf in einem Bullen. Viele Rituale haben mit der Fruchtbarkeit der Erde zu tun und werden daher oft mit verschiedenen Pflanzen durchgeführt (z. B. Misteln), die unter bestimmten Vorkehrungen geschnitten werden müssen. Vorsicht vor wütenden Dryaden!
Es gibt unzählige Feiertage, vier davon sind wichtiger als andere, da an ihnen die Grenzen in die Anderswelt sehr dünn sind:
Eines der wesentlichsten Elemente in der keltischen Kultur ist die persönliche Ehre, Enech genannt. Diese kommt vor allem anderen und ist die zentrale Triebfeder für das Handeln vieler Leute.
Natürlich ist Enech nicht direkt meßbar, es ist eher eine Fusion aus Bekanntheit, Ruhm, persönlicher Integrität, herausragenden Leistungen, Erfolg, Glück und Familienerbschaft. Enech hat auch keine konkrete, direkte Auswirkung auf das Leben einer Person, solange sie ihr normales Leben lebt und ihren normalen Tätigkeiten nachgeht - tägliche Arbeit beeinflußt das Enech weder positiv noch negativ. Nur besondere Dinge, die eine Person tut, verändern das Enech. Hierbei kann ebenso wirtschaftlicher Erfolg eine Rolle spielen wie ein gewonnener Zweikampf das Enech einer Person vergrößern kann.
Die einzige tatsächliche Auswirkung, die Enech hat, ist die, daß wenn der Enech-Wert einer Person steigt, die Umwelt positiver auf sie reagiert, sie also Verträge leichter erfolgreich abschließen kann, mehr Klienten gewinnt oder Land günstiger kaufen kann, als wenn das nicht der Fall ist. Umgekehrt, wenn das Enech einer Person sinkt, kündigen Klienten ihren Vertrag eher mit der Person, kommen mehr Personen, die versuchen, ihr das Land abzuluchsen, und schließen weniger Leute mit der Person Verträge ab. Dadurch nähert sich eine Person, die Enech verloren hat, auch wirtschaftlich und/oder politisch einer niedrigeren Sozialstufe an.
Eine weise Familie verstößt ein Mitglied, dessen Enech auf 0 gesunken ist, sofort aus der Familie, damit nicht die Familienehre weiter unter der Unehrenhaftigkeit der Person leiden kann. Dabei ist egal, ob sich die Ereignisse, die zum Anstieg oder Verlust von Enech geführt haben, bis in den Bereich der keltischen Kultur herumgesprochen haben oder nicht - das Enech einer Person ist für jeden Kelten klar und deutlich erkennbar - nicht umsonst ist die wörtliche Übersetzung des Wortes Gesicht.
Es sollte vielleicht noch erwähnt werden, daß es sich beim Enech um ein Punktesystem handelt, wobei es nicht immer nur nach Geburt geht, auch ein einfacher Bauer kann ein ehrenvoller Mann sein. Ein heldenhafter Krieger verdient sich sein Enech durch seine Heldentaten und verliert es durch seine schwachen Stunden. Jeder wird darin gemessen, welchem Beruf er nachgeht; wenn er die Arbeit, die er tut, gut macht, wird er mehr Enech erhalten als ein anderer, der dieselbe Arbeit schlecht macht.
Hier eine kurze Aufschlüsselung der Enechwertung:
Ebenfalls vom Enech abhängig sind Tabus, genannt "Gessa". Bei einem Geis handelt es sich um eine Verhaltensvorschrift, die einer Person auferlegt wird und deren Bruch zu Ehrverlust und in Folge zumeist zur Ächtung in der Gesellschaft führt. Gessa können sowohl einem Helden von den Göttern auferlegt werden, als auch von anderen Personen mit Enech. Ein von den Göttern auferlegter Geis wird im Normalfall durch Seher bei der Geburt einer Person erkannt und dieser bekanntgegeben, außer man will diese oder deren Familie ins Unglück stürzen. Um einen Geis auszusprechen, muß die aussprechende Person einen gewissen, fixen und nicht anders verwendbaren Bestandteil ihres Enechs als "Wertigkeit" für den Geis einsetzen. In weiterer Folge ist es nun wichtig, ob der Geis berechtigt oder unberechtigt ist. Hat z. B. ein Barde ein Preislied auf einen Herrscher gedichtet und dafür 10 Goldstücke Belohnung versprochen bekommen, der Herrscher will aber nach Fertigstellung des Preisliedes nicht die 10 Goldstücke bezahlen, so ist ein Barde völlig berechtigt, einen Geis über den Herrscher auszusprechen, um ihn zur Herausgabe des versprochenen Lohnes zu zwingen.
Ein Filid oder Barde kann ein Preislied verfassen, daß sich von einem "normalen" Preislied dadurch abhebt, daß der Barde seine eigene Reputation, d. h. sein Enech in das Lied investiert. Hinzu kommt jedoch noch, daß wenn ein Barde ein entsprechendes Preislied auf einen Helden gedichtet hat, sein Enech mit dem dieser Person verknüpft ist. Verändert sich in weiterer Hinsicht das Enech dieses Helden, so verändert sich auch das Enech des Preisliedschöpfers (5 zu 1).
Die Satire ist das genaue Gegenteil des Preisliedes und hebt sich ebenso von der "normalen" Satire ab, indem sie das Enech des Barden miteinbezieht.
Tatsächlich stellt für den Kelten der Schwur eine besondere Handlung dar, da er direkten Einfluß auf das Enech einer Person hat.
Wenn eine Person einen Schwur leistet, bürgt sie sozusagen mit ihrer persönlichen Ehre oder einem Teil dieser - oder auch der Ehre anderer Gruppen oder Personen - für etwas. Zu schwören bedeutet, mehr oder minder sich selbst einen Geis aufzuerlegen.
Erfüllt ein Klient einen Schwur, den er beim Namen seines Herrn geleistet hat, nicht, so kann der Herr es vermeiden, Enech zu verlieren, indem er selbst den Schwur erfüllt.
Da die Familie in der keltischen Welt der Teil der Gesellschaft ist, der die Existenz des Charakters sichert und ihm einen Rechtsstatus verschafft, ist die Beleidigung ihrer Ehre von ungeheurer Tragweite. Läßt ein Charakter zu, daß seine Familienehre geschmäht wird, verliert er auf der Stelle ein Zehntel seiner persönlichen Ehre.
Noch dazu hat ein Sinken der Familienehre eine weitere Bedeutung für jedes Mitglied der Familie: Sinkt die Familienehre aus welchem Grund auch immer, sinkt die persönliche Ehre jedes Familienmitglieds um eine entsprechende Anzahl von Punkten. Zusätzlich verliert die Familie an politischem Einfluß, wenn ihre Familienehre sinkt.
Kurz zum vorläufigen Schluß
Im nächsten Heft wird es dann Dalriada III geben, wir werden dann das Rechtssystem schildern, außerdem müssen wir euch leider dieses Mal die versprochenen Hintergrundinfos zur gemeinsamen Geschichte mit Whiskey Valley schuldig bleiben. Weiters werden wir in Heft Nr. 29 die einzelnen Clanbeschreibungen abdrucken, wobei wir ein "McTugger-Special" haben werden. Es hat sich nämlich schon einiges getan auf unserem Inselreich.
Der Clan McTugger ist mit den McDonalds in Verhandlungen getreten, deren Details wir natürlich nicht abdrucken werden, es sei denn, einer der beiden Clans wünscht dies. Das Endergebnis jedenfalls ist, daß sich die McTuggers auf Dalriada niedergelassen haben und der Clan der McDonalds ebenfalls nicht mehr zur Verfügung steht. Alle anderen Clans sind frei und warten auf Spieler. Anfragen an Peter Jungbauer (a9002068@unet.univie.ac.at) oder Margot Tischler: 0676/610 26 32