1996 wollte ich eine andere Idee realisieren, nämlich ein Spiel, das im historischen Schottland des Jahres 1747, knapp nach der Schlacht von Culloden spielt, bei der die Schotten bekanntlich nach einem Aufstand von den Engländern vernichtend geschlagen wurden. Es war "Schottland in den Schatten". Die Idee zu dem Schottland-Spiel hatte ich bereits zwei Jahre vorher gehabt, als wir wieder einmal bei einem Whiskey-Valley Spiel so hübsch kariert zusammengesessen hatten.
Im Oktober 1996 kam es dann zur Realisierung. Es war ein dreitägiges Spiel auf Wildegg, das sich durch einige Besonderheiten auszeichnen sollte. Da ich niemandem zumuten wollte, drei Tage lang schottisches Reenactment zu betreiben, entwarf ich gemeinsam mit Ulli einen sehr phantasievollen Plot: Freitag abends sollten die Spieler - ein englischer General mit Familie und Offizieren als Begleitern - Quartier in der Burg eines besiegten Clans beziehen. Leider hatte sich der Quartiermeister bei den schottischen Namen geirrt, und so kamen sie zu einem Hochzeitsfest auf einer Clansburg der Buchanan, die von ihren "Gästen" keinerlei Ahnung hatten. Man arrangierte sich (murrend) und wurde sogar irgendwie mit der Tatsache fertig, daß in der Nacht, während eine Seanchie (eine schottische Geschichtenerzählerin, Susanne Rinnerthaler) etwas zum Besten gab, auf einmal ein Mann durch die Tür stolperte, der die Rüstung eines römischen Zenturios trug und etwas in Latein stammelte, bevor er zu Staub zerfiel (Matthias Zimmermann).
In dieser Nacht passierte außer etlichen Intrigen der Engländer untereinander nicht mehr viel, doch am nächsten Morgen kam dann der Schock: Die Engländer erwachten zwar in der gleichen Burg, dummerweise lebten aber in ihr jetzt diverse Vertreter der Feenwelt. Um diese Feenwelt zu realisieren, habe ich die Figuren und Hintergründe des White-Wolf-Rollenspielsystems "Changeling" für Liverollenspiel und dieses Szenario aufbereitet und verwendet (so gesehen war das Spiel daher auch das erste Changeling-Live in Österreich).
Es folgte für die armen Spieler eine Odyssee durch die Feenwelt, durch die Gegenwart (die Schotten waren jetzt Touristen, die die Engländer wegen ihrer gelungenen Kostüme und authentischen Darstellung unbedingt photographieren wollten) und durch eine alternative Realität, wo man zwar das Jahr 1747 schrieb, aber die Engländer den Krieg verloren hatten und auf einmal Kriegsgefangene waren, die nach Edinburgh zur Exekution gebracht werden sollten. Spätestens jetzt machte sich Wahnsinn breit, der darin gipfelte, daß die SPIELER beschlossen, den SL und NSCs Träume zu schicken, um sich zu revanchieren.
Am Sonntagmorgen war wieder alles beim Alten, nur hatten alle etwas dazugelernt, die Offiziere und der General quittierten den Dienst und zwei Spielerinnen mußten sich daran gewöhnen, daß sie ebenfalls Changelings waren (eine davon ist viele Jahre später daraufhin nach Kanada zu den Lederstrumpfspielen ausgewandert).
Abgesehen von unglaublich inspirierten Spielern und NSCs, die auch in allen ihren Rollen und Hintergründen sattelfast waren, war es für mich mit 40 Teilnehmern das bisher größte Spiel gewesen, und leider auch das bisher letzte, bei dem ich die meisten der Arioch-Spieler der ersten Stunde gemeinsam mit damals jungen und neuen Spielern bzw. Vereinsmitgliedern zusammenspannen konnte.
Dieses Spiel hat gewissermaßen die Weichen dafür gestellt, in die historischen Spiele mal mehr, mal weniger, aber doch immer etwas einer phantastischen Handlung einfließen zu lassen. Seien es jetzt Geister, Magie, Vampire, der Tod, Engel, Fairies oder Okkultes, ein bißchen davon war in jedem der folgende Spiele zu finden.
siehe dazu auch den Bildbericht