Rokoko-Kampagne 3: Un Ballo in Màschera

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Ein Jahr später, 1997, kam dann das Spiel, das den Grundstein für alle weiteren Rokoko-Szenarien legte: "Un Ballo in Màschera", wieder auf Wildegg. Für dieses Spiel lernten wir unsere ersten Rokoko-Tänze unter der Anleitung von Sissi Bernhard, und ich machte den ersten größeren Schwung an Rokoko-Kostümen für Herren. Ulli half mir immens dabei, die diversen historischen Hintergründe zusammenzuschreiben, Spielerinnen wie Sylvia Hauer, Almut Ruso oder Marianne Singer brachten eine Menge von ihrem Wissen über diese Zeit und Kultur in die Hintergründe ein.

Das Spiel dauerte von Samstag bis Sonntag und war wieder für ca. 40 Teilnehmer geplant. Hauptevent sollte ein Ball im Stil eines venezianischen Maskenballs sein, die Spielhandlung bestand aus dem Zusammenbringen vieler Charaktere, die verschiedene Aufgaben zu lösen hatten. Da wir uns zeitlich gesehen im Siebenjährigen Krieg befanden - wir schrieben das Jahr 1757 -, gab es natürlich auch diverse Spionageplots. Bewußt habe ich versucht, gewisse Charaktere aus den vorhergehenden Spielen zu übernehmen bzw. weiterzuführen, was dank Einflüssen der Feenwelt auch ganz gut funktionierte. Übersinnliche Details bei dem Spiel waren das Erscheinen des Tods "himself", ein Portal in die Feenwelt, eine spiritistische Sitzung, die Marianne Singers Charakter ein Auge kostete, und ein Zweikampf von "Highlander"-Unsterblichen nach einem Räuberüberfall. So hielten auch diese Themen Einzug ins Spiel. Ein absolutes Highlight war - zu fortgeschrittener Stunde - aber auch die Wahl des Mr. Rokoko, die zu einigen Videoaufnahmen führte, über die wir alle in zehn Jahren hoffentlich herzlich lachen werden ....

Bei diesem Spiel zeichneten sich einige Eigenheiten ab, die für alle folgenden Spiele gelten sollten.

Am Auffälligsten war, daß ich für kein anderes Spiel zuvor so viele detaillierte und genau ausgearbeitete Charakterhintergründe von so vielen Spielern bekommen habe. Fast alle Teilnehmer nahmen die Mühe auf sich, die 30 bis 40 Seiten Spielunterlagen wirklich durchzuarbeiten (es war auch das Spiel mit den meisten verstorbenen Ehemännern - interessant, nicht?). Entsprechend den Hintergründen legten sich vor allem die Damen ungemein ins Zeug, um sich passende Kleider zu machen. Dementsprechend beeindruckend war auch das Bild, als sich alle Tanzpaare in tollen Kostümen und schönen venezianischen Masken gleichzeitig zu den ersten Takten der Pavane in Bewegung setzten. Das war einer der Momente, für die sich für einen Spielleiter die ganze Arbeit und der Streß vorher gelohnt haben.

Typisch war auch, daß die übersinnlichen Aspekte zwischen den Betroffenen so ins Spiel kamen, daß sie von vielen anderen gar nicht wahrgenommen wurden. Somit hatte jeder ein anderes Spielerlebnis, das mal mehr, mal weniger auf den jeweiligen Charakter zugeschnitten war. Wer sich für Politik, Amusements oder Spionage interessierte, bekam halt vor allem diese Aspekte des Spiels mit.

Wie auch bei den meisten Spielen danach kam ich fast ohne NSCs aus, einige Spieler wurden kurzfristig dazu bestimmt. Das Spiel nahm daher einen sehr interaktiven und dynamischen Verlauf, weil jeder im Endeffekt tun konnte, was er wollte. Die Handlung fand zwischen den 40 Spielern statt und wurde nur durch einzelne Aktionen entsprechend der Hintergründe ausgelöst.

Wie auch schon zuvor wurden Spielregeln sehr großzügig und vor allem nach gesundem Menschenverstand ausgelegt. Kämpfe fanden aufgrund sehr harter, weil realistischer Regelbestimmungen kaum statt, und medial oder übersinnlich begabte Charaktere setzten ihre Fähigkeiten immer in Absprache mit mir ein, sodaß ich meistens sehr genau bestimmen konnte, was in der jeweiligen Situation zielführend war.

Woran es zum Teil noch haperte, waren die prinzipiellen gesellschaftlichen Verhaltensregeln. Aber das ist nun mal das Schwerste am historischen Spiel, denn hier geht es um echte Regeln, ohne deren Befolgung gewisse Gesellschaften nicht funktioniert hätten. Aber an diesen Details sollte in der Folge noch gearbeitet werden.

Ein weiteres Detail am Rande (das sich zum Glück nicht mehr wiederholte) war, daß ich bei diesem Spiel den größten finanziellen Verlust meiner Spielleiterkarriere einfuhr, und zwar satte ATS 10.000,-. Das war zu diesem Zeitpunkt Rekord in der Spielszene und ist seither - soviel ich weiß - nur einmal überboten worden. Grund dafür waren eine zu knappe Kalkulation der Spielkosten in Verbindung mit vielen kurzfristigen Ausfällen seitens der Teilnehmer (was übrigens meistens der Hauptgrund für negative Spielerlöse ist).

siehe dazu auch den Bildbericht

© 2001 Peter Zillinger

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